Chronik

Die Schützengesellschaft Edelweiß Kirchseeon wurde 1922 gegründet. Den Anstoß dazu gab Bezirksschützenmeister Hans Aicher, der für den 31. Juli zur Gründungsversammlung einlud und damit großes Echo fand. Eigentlich war es keine Neugründung, denn schon ab 1906 bestand in Kirchseeon ein Verein mit gleichem Namen, der auf die Initiative des Werkmeisters Johann Maier gegründet worden war. Vermutlich wurde der erste Schützenverein Edelweiß während des Weltkrieges aufgelöst; denn bei der Fahnenweihe im März 1923 gedachte man der gefallenen und verstorbenen Mitglieder des früheren Vereins, besonders des langjährigen Schützenmeisters Lorenz Schermer. Die Gründer des Jahres 1922 brauchten nicht von vorne anzufangen. Sie konnten das Inventar ihrer Vorgänger übernehmen. Das wichtigste Ziel war der Erwerb einer neuen Fahne. Am 18. März 1923 konnte sie geweiht werden. Die erste Schützenliesl war Maria Schirm.

Als die Inflation den Verein immer Ärger bedrängte, wußte man sich bei Beiträgen und Aufnahmegebühr zu helfen. Kurzerhand wurde der Monatsbeitrag auf den jeweiligen Preis einer Semmel festgelegt, währen dei Aufnahmegebühr soviel kostete, wie man gerade für einen Liter helles Bier zu zahlen hatte. Zum Schluß erreichte die Aufnahmegebühr schwindelerregende Millionenhöhen. Trotz aller finanziellen Schwierigkeiten ließ es sich die Vorstandschaft nicht nehmen, bei jedem Bezirksschießen einen Preis zu stiften, der meist aus Eßbarem bestand.

Nachdem Georg Penker anfangs als provisorischer Vorstand eingesetzt war und danach Karl Schwarz als solcher fungierte, wurde 1925 Hans Meier zum 1. Schützenmeister gewählt. Unter ihm wurde auch eine Theatergruppe in Leben gerufen, die schon im Dezember 1925 zum ersten Mal spielte. 1926 wurde der erste Ehrentitel vergeben. Der Verein ernannte Karl Schwarz zum Ehrenschützenmeister und Vitus Zeller sen. zum Ehrenmitglied.

Die Kirchseeoner nahmen an Bundesschießen teil und traten auch selbst als Veranstalter in Erscheinung. 1930 wurden erstmals verdiente Mitglieder mit Ehrenzeichen bedacht, dies waren: Sebastian Pröbstl, Andras Schuller, Hans Hiller, Franz Ölkofner, Adolf Obermeier und Ignaz Angerhuber. Michl Berger leitete ab 1931 den Verein, gab aber 1933 den Vorsitz an Stefan Eschlberger ab, der jedoch nicht mehr Schützenmeister, sondern der damaligen Zeit entsprechend, Schützenführer genannt wurde. Der Altbayerische Schützenbund, dem die Edelweißler angehörten, wurde aufgelöst. An den Schießabenden mußte man Nichtmitglieder von der SA teilnehmen lassen. Kleinkaliber und Zimmermunition wurde eingeführt. Die Vereine wurden dem Untergau 10 Ebersberg zugeteilt und der Gruß "Gut Glück" mußte ebenfalls aufgegeben werden.

Ab 1933 bestand der Schießstand in der "Alten Post". Im Gelände des Schwellenwerkes wurde ein Stand für Kleinkalibergewehrschießen eigerichtet. Ehrenzeichen vergab der Verein 1934 zum letzten Mal vor dem 2. Weltkrieg, wobei Stefan Eschlberger und Michl Berger das Kronprinz-Ruprecht-Ehrenzeichen erhielten. Hans Hiller und Ignaz Angerhuber sen. bekamen das Landesverbandsabzeichen  und Ulrich Lörtscher sowie Markus Wagner die Verdienstnadel. Am Oktoberfestzug nahmen die Kirchseeoner Edelweiß-Schützen nach iwe vor in ihrer schönen Tracht teil. Josef Singer der 1935 den Vorstandsposten übernahm, brachte es fertig, daß nach mehrerer Jahren der Abstinenz wieder einmal ein Faschingsball der Schützen abgehalten wurde.

Höpler Hans, Schützenkönig 1961

1941 wurden Franz Reubl und Leonhard Eberlein zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im selben Jahr gewannen die Edelweißler die Unterkreismeisterschaft im Kleinkaliber- und Zimmerstutzenschießen und 1942 noch einmal im Kleinkalibergewehrschießen. Danach wurde es ruhig um die Schützen, da die meisten Mitglieder im Felde standen und der Verein 1945 seine Tätigkeit einstellen mußte. Erst 1951 luden Josef Singer, Dominikus Ametsbichler, Ferdinand Steinbauer und Josef Spitzl zur Neugründungsversammlung ins Gasthaus Post ein. 16 Interessenten erschienen. Während der ersten zwei Jahre leitete Josef Singer den Verein. Als Ende 1952 Ignaz Angerhuber jun. 1. Schützenmeister wurde, ernannte man Josef Singer, wie auch Ignaz Angerhuber sen. zu Ehrenmitgliedern. Die Mitgliederzahl stieg rasch, zumal nun auch Frauen in den Verein aufgenommen wurden.

Am 2.3.1952 wurde unter Leitung von Gauschützenmeister Michael Berger, welcher zugleich 2. Vorstand der Edelweiß- Schützen Kirchseeon war, der Gauschützenverband Ebersberg in Kirchseeon wiedergegründet. Schriftführer des Gauschützenbundes Ebersberg war damals ebenfalls ein Mitglied der Edelweiß-Schützen, nämlich Hubert Amensberger. Schon ein Jahr nach Wiedergründung der Edelweiß-Schützen nahmen diese mit elf Mitgliedern sowie Schützenliesl und Fahne am Oktoberfest-Trachtenzug teil. Ignaz Angerhuber, ein äußerst rühriger Schützenmeister, verhalf dem Verein schnell wieder zu Ansehen und durch zugkräftige Veranstaltungen auch zu einem guten Kassenstand, so daß man bald wieder einen neuen Zimmerstutzen und einige Leichtluftdruckgewehre kaufen konnte.

1954 wurde die Edelweiß-Mannschaft Sieger des Schützengaues Ebersberg.

Hubert Amensberger, der 1957 das Amt des 1. Vorstandes übernahm, weitete die Zahl der Schießveranstaltungen aus. Mitglieder des Vereins holten im Leistungsschießen 1961 das kleine Bayerische Leistungsabzeichen in Gold, vier Abzeichen in Silber, drei in Bronze sowie fünf kleine deutsche Leistungsnadeln in Silber. Kirchseeoner Jungschützen errangen zwei kleine Leistungsnadeln. Dominikus Ametsbichler bekam 1959 die Ehrennadel des Vereins, 1961 wurde sie Otto Pielmeier, Josef Spitzl und Valentin Eck über- reicht. 1962 erhielten Josef Spitzl und Otto Pielmeier außerdem das große Protektoratszeichen in Gold. 1963 ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Der Verein bezog wieder sein Schützenheim in der Alten Post. Der Einzug wurde mit einem großen Vergleichskampf gefeiert, an dem viele Gastvereine teilnahmen.

Als Hubert Amensberger im Jahr 1964, kurz nach seiner erneuten Wiederwahl zum 1. Schützenmeister plötzlich verstarb, sprang Hans Viellechner für dieses Amt ein, das er bis 1968 innehatte. Das Schützenjahr 1964/65 brachte eine Überraschung; denn mit Annemarie Kainz wurde erstmals eine Frau Schützenkönigin.

 

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Unter Hans Höppler als Vorstand entschloß man sich, das Schießjahr nicht mehr von Oktober bis Oktober laufen zu lassen, sondern mit dem Kalenderjahr gleichzuschalten. Das erste Vergleichsschießen gegen den österreichischen Verein Einsenerz wurde am 18.10.65 in Eisenerz von den Edelweiß- Schützen ausgetragen. Im Jahre 1966 richteten die Edelweiß-Schützen das größte Sauschießen, an dem sich 145 Schützen beteiligten, im ehemaligen Kinosaal in Kirchseeon aus.

Anläßlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums richtete der Verein 1972 ein Jubiläumsschießen mit den 3 Ortsvereinen Kirchseeon-Dorf, Eglharting und Buch sowie dem Münchner Verein "Ettaler Mandl" aus. An diesem beteiligten sich genau 100 Schützen.

1978 erhielt Josef Spitzl sen. die goldene Ehrennadel des BSSB für 50 jährige Mitgliedschaft verliehen. 1981 gratulierte dann eine Abordnung diesem ältesten Mitglied zum 80. Geburtstag und überreichte Josef Spitzl ein Erinnerungsgeschenk des Vereins. Hugo Wörndle konnte sich nach 1972 auch 1982 wieder die Würde des Gau-Vizekönigs sichern.

 

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Beim Schützenmeisterschießen 1983 konnte der 1. Vorstand der Edelweiß-Schützen, Hans Höppler, die gesamte Konkurrenz hinter sich lassen und beim Bogenschießen in Vaterstetten den 1. Platz belegen. Er sicherte sich damit ein lebendes Säulein, wobei er beim Transport nach Hause mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Den größten sportlichen Erfolg konnten die Edelweiß-Schützen 1984 erringen. In diesem Jahr schaffte die 1. Mannschaft mit den Schützen Höpler Werner, Schießl Fritz, Schafbauer Herbert und Straub Alfred den Aufstieg in die Gauliga des Gaues Ebersberg.

Nachdem im Jahre 1982 das Vergleichsschießen mit den Ettaler Mandl'n bereits seit 20 Jahren durchgeführt wurde und die Ettaler Mandl im gleichen Jahr ihr 25 jähriges Vereinsjubiläum feierten, überreichte 1. Bürgermeister Sepp Miethaner diesem Verein einen Zinnteller der Marktgemeinde Kirchseeon.

Das 25 jährige Jubiläum dieses Vergleichsschießens, welches auf die Initiative von Viellechner Hans (Kirchseeon) und Eitz Willi (Ettaler Mandl) zurückgeht, konnte im Jahre  1987 gefeiert werden. Aus diesem Anlaß wurde dem Vorstand der Ettaler Mandl, Heinrich Klinger, die goldene Vereinsnadel der Edelweiß- Schützen verliehen, womit die Freundschaft der beiden Vereine nochmals besiegelt wurde.

Nachdem Hans Höppler die Geschicke der Edelweiß-Schützen seit 20 Jahren leitete, gab er 1987 die Vorstandschaft des Vereins an Fritz Schießl ab.

Hans Höppler wurde in diesem Zusammenhang für sein langjähriges Wirken als 1. Schützenmeister von den Edelweiß- Schützen zum Ehrenvorstand ernannt.

Gleichzeitig wurde der Verein nun ins Vereinsregister eingetragen und kann künftig dem Namen ein e.V. anhängen.